Anna wurde am 22.09.1601 als Tochter von König Philippe III. von Spanien (1578-1621) und Königin Margarete von Österreich (1584-1611) geboren und wuchs behütet und geliebt am Spanischen Hof auf - eine Erfahrung, die sie später an ihre Söhne weitergeben wird.
Am 25.11.1615 wurde sie in der Kathedrale Saint-André in Bordeaux mit dem frz. König Louis XIII. (1601-1643) vermählt und war von da an Königin von Frankreich.
An ihrem Hochzeitstag fand eine Doppelhochzeit statt: neben Anna und Louis heirateten gleichzeitig auch Louis' Schwester Elisabeth (Isabella) de Bourbon (1602-1644) und Philippe IV. von Spanien (1605-1665), dem ältesten Sohn des spanischen Königs und Annas Bruder.
Nach der Hochzeitsfeier wollte Louis sich in seine Gemächer zurückziehen, doch seine Mutter Maria von Medici bestand darauf, dass er sich zu seiner Frau ins Bett legt. Seine Mutter selbst soll darauf geachtet haben, dass die beiden die Ehe an diesem Abend vollzogen. Dieses Erlebnis der Hochzeitsnacht schien ernüchternd gewesen zu sein, denn danach dauerte es Jahre, bis Louis und Anna sich einander wieder näherten.
Anna und ihr Gemahl Louis XIII. waren ein sehr unterschiedliches Paar, das jedoch zu Beginn echte Zuneigung füreinander empfand.
Dies änderte sich jedoch schnell, als drei Fehlgeburten zu Beginn der Ehe die Hoffnung auf einen Thronfolger schmählerten. Fortan strafte Louis seine Frau mit Nichtachtung.
Zu Beginn führte Maria de Medici die Regentschaft für den ihr unliebsamen Sohn - Maria bevorzugte Louis' Bruder Gaston.
Noch nachdem sich Louis am 24.04.1617 mithilfe eines Staatsstreiches endlich von der Bevormundung der intriganten Mutter befreite, waren Anna und er endlich das regierende Herrscherpaar.
Maria de Medici wurde nach Blois verbannt.
Der von Kardinal Richelieu, den Anna hasste, im Jahre 1635 forcierte Krieg gegen ihr Heimatland Spanien, versetzte die Königin zudem in immer tiefere Verbitterung.
Nur durch einen Zufall musste das Königspaar im Dezember 1637 eine Nacht lang das Bett miteinander teilen.
Neun Monate später, am 05.09.1638, brachte Anne schließlich endlich ihr erstes gesundes Kind zur Welt: den späteren König Louis XIV.
Zwei Jahre danach, am 21.09.1640, folgte ein zweiter Sohn, Philipp.
Das Verhältnis des Königspaares verbesserte sich dadurch zwar nicht sonderlich, aber aus der kinderlosen Spanierin mit ungewisser Zukunft war nun die stolze Mutter des zukünftigen französischen Königs geworden. Dieser Umstand festigte ihre Stellung bei Hofe ungemein.
Anders als bei den Beziehungen von Catherine de Medici zu ihren Kindern oder gar von Maria de Medici zu ihrem Sohn Louis XIII., entwickelte sich zwischen Anna und dem kleinen Dauphin ein inniges Mutter-Kind-Verhältnis - ihr Sohn wird sie auch später noch zärtlich Maman und nicht Madame wie sonst üblich, nennen.
Ausdrücklich riet Anna den Erziehern, Louis nur im äußersten Notfall zu bestrafen und dann darauf zu achten, dass es keine anderen Zeugen gab, um den Dauphin nicht unnötig zu beschämen. Tatsächlich war Hausarrest die schlimmste in der Erziehung des Dauphins jemals angewandte Strafe. Anna zog es ohnehin vor, ihn durch gutes Zureden und vernünftige Erklärungen zu überzeugen.
Am 04.12.1642 starb der ihr verhasste Richelieu. Nachfolger wurde der ihr stets treu ergebene Kardinal Jules Mazarin.
Als sich der Gesundheitszustand des Königs rasch verschlechterte, verfügte Louis XIII. testamentarisch vor seinem Tod (14.05.1643), dass nicht Anna die Regentschaft für den noch minderjährigen Louis XIV. ausüben sollte, sondern ein Regentschaftsrat.
Nach dem Tod des Königs, ließ Anne jedoch das Testament annullieren und kämpfte wie eine Löwin um ihre Regentschaft und die sichere Machtübernahme ihres Sohnes.
Am 18.05.1643 ernannte sie Kardinal Mazarin, der auch Pate des jungen Königs war, zum Mitglied des Kronrats. Zum Kardinal, den sie seit 1632 kannte und der jahrelang der wichtigste Berater Richelieus war, hatte sie ein unverbrüchliches Vertrauen.
Und obwohl Mazarin und Anna von Österreich die eigentlichen Machthaber waren, zeigten sie selbst im Familienkreis, dass sie Louis XIV. als Monarchen respektierten.
Annes ersten politischen Entscheidungen sorgten für Aufsehen, denn anstatt mit ihrem Bruder Philipp IV. von Spanien Frieden zu schließen, führte sie den Krieg gegen Spanien weiter.
Und auch Anne durchlebte wie einst ihr Mann bei dessen Machtübernahme, nun bei der Verteidigung des Machtanspruches ihres Sohnes heftige innerpolitische Krisen, z.B. die 1648 beginnende sog. Fronde. Unter dem Eindruck der englischen Revolution hatte sich das Parlament in Paris 1648 gegen den Absolutismus erhoben. 1652/53 schloss sich ein von Spanien unterstützter Aufstand des Adels an.
Erst 1654 galten die Unruhen als beendet.
Annes offizielle Regentschaft endete, als Louis XIV. am 07.09.1651 mit dreizehn Jahren für volljährig erklärt wurde. Dennoch übte weiterhin an der Seite ihres Sohnes Macht aus.
Beim Friedensschluss mit Spanien 1659 wurde auch die Eheschließung ihres Sohnes Louis XIV. mit ihrer Nichte, der Infantin Maria Theresia von Spanien (1638-1683), vereinbart.
Die Hochzeit fand am 09.06.1660 statt und bereits am 01.11.1661 kam mit Louis de Bourbon der Thronfolger zur Welt.
Im Mai 1664 wurden bei Anna Knoten in einer Brust festgestellt - Krebs war damals unheilbar.
Nach einem längeren Siechtum starb die Königinmutter schließlich am 20.01.1666.
la Reine _________________ "Ich habe Angst, mich zu langweilen." (Marie Antoinette zu Graf de Mercy)
Zuletzt bearbeitet von la Reine am Mo Feb 25, 2008 22:37, insgesamt einmal bearbeitet
In dem Film "Le Roi soleil" wird die "Ablösung" von Louis XIV von seiner Mutter als ziemlich brutaler Schritt und gleichzeitig als eine Art Befreiung gezeigt. Dabei hat Anne d´Autriche, anders als Maria de Medici, eigentlich immer im Sinne ihres geliebten Sohnes gehandelt, soweit ich das beurteilen kann...
Stimmt schon, die Beziehung der beiden war unüblich eng, sehr zärtlich und voller Respekt vor der Position des anderen.
Louis verdankte seiner Mutter sein Königreich, das sie in seiner Kinderzeit für ihn verteidigte, als ginge es um ihr Leben.
Man muss bedenken, dass Anne d'Autriche -- die eigentlich keine Österreicherin, sondern Spanierin war und eher Anna von Habsburg heißen müsste -- sehr eng mit ihrem Bruder, dem spanischen König, verbunden war.
Doch um das Königreich ihres Sohnes wegen, ging sie als frisch gebackene Regentin sogar einen Krieg gegen den eigenen Bruder ein.
Sie war von da an Französin pur, selbst wenn das Volk ihr immer die habsburgische Abstammung unter die Nase rieb.
Ihr Mut und ihr Kampf für ihren Sohn sorgten eben für eine besonders enge Bindung zwischen den beiden.
Seine Mutter war selbst dann noch allgegenwärtig, als Louis erwachsen war. Zwar gab sie ihm immer das Gefühl, Alleinentscheider zu sein, doch irgendwie war sie dennoch Lenkerin.
Daher wird Louis sich beim Tod der Übermutter mit einem lachenden und einen weinenden Auge von ihr verabschiedet haben.
Betrauert hat er sicher sehr den verlorenen geliebten Menschen. Doch was seine Regierung angeht, war Anne sicher erdrückend für ihn. _________________ "Ich habe Angst, mich zu langweilen." (Marie Antoinette zu Graf de Mercy)
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